Was wir sehen, ist nicht, was wir sehen, sondern was wir sind.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

Mediation als Haltung

Ich bin von der positiven Macht des Gesprächs überzeugt. Aber was sind die Ingredienzien eines guten Gespräches, vor allem, wenn es zu Spannungen kommt?

In meiner früheren Tätigkeit als Projektmanagerin im sozialen Bereich wurde mir bewusst, wie sehr der Erfolg von Projekten von der Kommunikation zwischen den Beteiligten abhängt. Deshalb habe ich begonnen, mich intensiv mit Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung auseinanderzusetzen.

Im Speziellen hat es mich immer wieder betroffen gemacht, zu sehen, wie viel menschliche Belastung dadurch entsteht, dass zuwenig miteinander geredet wird, weil einfach das Wissen um das 'Wie' fehlt.

Viele Gelegenheiten zur Wiederannäherung werden verpasst. Menschen sind oft konfliktscheu, weil sie denken, Konflikte auszutragen muss immer schmerzhaft sein oder in einer "Katastrophe" enden. Oder sie lassen sich derart von ihren Emotionen treiben, dass dabei viel zerstört wird. Immer aber geht die Gelegenheit zum Gespräch verloren.

Ich glaube, dass - für uns alle - mediatives Verhalten eine zentrale Kompetenz unserer Zeit ist. Es ist essentiell, über einige Grundregeln guter Kommunikation Bescheid zu wissen, sie unter Anleitung und dann alleine anzuwenden.

Es ist meine Erfahrung, dass damit große Erleichterung bei allen Beteiligten erreicht werden kann.

Manchmal kann ein konkretes Gespräch auch nur mehr unter kompetenter Beteiligung einer dritten Person wieder in Gang kommen.

 

Oft sind die Begegnungen unter diesen neuen Voraussetzungen sehr bereichernd - für die Beteiligten, aber auch für mich selbst als Mediatorin.

Mit der Zeit wird aus diesem Wissen über gelungene Kommunikation eine neue Grundhaltung - die das Zusammenleben mit anderen Menschen - oft auf einer unbewussten Ebene - positiv verändert.