Arbeitsphilosophie

Eines der schwierigsten Dinge der Welt ist, irgend etwas ganz einfach zu betrachten (Kristhnamurti, Vollkommene Freiheit)

Erfolgreiche Mediation beruht nicht nur auf der Anwendung von professionellen Methoden. Sie beruht auch auf einer Haltung, einer umfassenden Lebenseinstellung und umfasst dabei fĂŒr mich folgende wichtige Aspekte:

  • Wahrnehmung
  • Wertfreiheit
  • Wohlwollen
  • Vielfalt

Wahrnehmung

Im Vordergrund meines Zugangs zu Konflikten steht die Wahrnehmung. "Wahr -Nehmen" heißt, die subjektive Wahrheit jedes/jeder einzelnen Person ernst zu nehmen, ohne Wertung. FĂŒr das subjektive Empfinden, Raum und Zeit zu schaffen, stellt oft die ersten Voraussetzung fĂŒr einen Wendepunkt in einem Konflikt dar. Oft ist es fĂŒr KlientInnen in der Mediation das erste Mal, dass ihre Sichtweise, ihre GefĂŒhle (welcher Art auch immer) gesehen /gehört und respektiert werden: zuerst oft nur von der Mediatorin, in weiterer Folge, auch vom/von der KonfliktpartnerIn. Es ist nicht zu unterschĂ€tzen, welche Bedeutung diese Phase in einer Konfliktbearbeitung hat.

Dabei haben Störungen Vorrang *: Die Verhandlungen können erst dann fortgesetzt werden, wenn starke Emotionen, BefĂŒrchtungen oder akute Fragen Beachtung gefunden haben.

Eine gelungene Mediation setzt Ausgewogenheit voraus, zwischen Struktur/rotem Faden ("Hardware") einerseits und Spielraum fĂŒr momentane BedĂŒrfnisse ("Software") der KlientInnen.

Von der Benennung der Tatsachen und Emotionen ausgehend, kann auch Versöhnung erst wirklich stattfinden.

Wertfreiheit

FĂŒr einen gelungenen Prozess der WiederannĂ€herung darf keine Verurteilung seitens der Mediatorin stattfinden. UnabhĂ€ngig von der eigenen Weltanschauung, muss es gelten, Motive und GefĂŒhle primĂ€r wertfrei zu betrachten. Da absolute Wertfreiheit natĂŒrlich ein Ideal ist, ist es umso wichtiger, sich der eigenen "blinden Flecken" bewusst zu sein.

Eine weitgehende Wertfreiheit wird leichter, wenn man versteht, dass hinter allem Handeln letztlich der Wunsch nach Liebe, Anerkennung und Respekt steht.  Wesentliches Element der Mediation muss natĂŒrlich sein, die Mittel und Wege zur Erreichung dieser WĂŒnsche zu verhandeln, damit sie mit den Interessen des GegenĂŒbers vereinbar sind.

Auf diesem Weg kann ein Wendepunkt in einem Konflikt erreicht werden:

  • Von der Wertung (Klient) ĂŒber die Wertfreiheit (Mediatorin) zum Respekt zwischen den KlientInnen
  • Wertfreiheit ist leichter möglich, wenn die zugrundeliegenden Motive fĂŒr eine Handlung verstanden werden
  • Wissen ĂŒber die Motive der anderen ermöglicht gegenseitige Anerkennung und Respekt - selbst bei Meinungsunterschieden
  • Neuverhandeln der Mittel und Wege zur Erreichung von WĂŒnschen und Zielen

Wohlwollen

Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass der Erfolg einer Mediation auch sehr vom guten VerhĂ€ltnis der Mediatorin zu den Medianden abhĂ€ngt. Jedwede professionelle "Technik" der Mediation wird immer auf dem Respekt und Wohlwollen gegenĂŒber ALLEN Beteiligten basieren. 
Ich engagiere  mich gerne dafĂŒr, dass MissverstĂ€ndnisse/Divergenzen aus dem Weg gerĂ€umt werden. Menschen interessieren mich und es motiviert mich, mit ihnen gemeinsam die Ursachen der GegensĂ€tzlichkeiten zu erforschen. Ich freue mich, wenn sich alle Beteiligten verstanden fĂŒhlen.

Vielfalt

Über Wahrnehmung, Wertfreiheit und Wohlwollen kann eine ÜberbrĂŒckung von (scheinbaren) GegensĂ€tzen stattfinden. Dabei geht es nicht darum, ĂŒber GegensĂ€tze oder Erlebtes hinwegzutĂ€uschen. Vorrang hat immer die (möglichst wertfreie) Wahrnehmung dessen,  was “der Fall ist“.

Danach geht es aber um die Erweiterung einer zu engen Sichtweise. Es hilft, nicht nur die schwierigen, sondern auch die ĂŒbrigen Anteile einer Person (oder einer Gruppe) zu betrachten. Somit wird das ÜberbrĂŒcken von starren PolaritĂ€ten, wie „Ich oder Du“, „Entweder- Oder“, „Gewinner oder Verlierer“ möglich. Ziel ist das "Sowohl als Auch", die Anerkennung des Anderen und Fremden, ohne dieses als bedrohlich zu erleben. Dies ist möglich, wenn alle Beteiligten  -  bei gleichzeitigem Respekt fĂŒr das GegenĂŒber - zu sich stehen.

In der Praxis bedeutet dies, dass die Durchsetzung von BedĂŒrfnissen abgestimmt werden wird.  Jede/r wird nur die Wege zur Zielerreichung beschreiten, die mit denen des/der anderen vereinbar sind.

Zusammenfassend ist fĂŒr mich  eine Mediation erfolgreich, wenn unter den Beteiligten wieder eine Sprache der Begegnung einsetzt.

Trauen Sie sich zu, mit Konflikten konstruktiv anzugehen. Sie werden ĂŒberrascht sein, wie viel dabei möglich ist. Es wĂ€re mir ein Anliegen, Sie dabei zu begleiten.

 


* im Sinn von Ruth Cohn, themenzentrierte Interaktion